1997 – Der erste Kontakt
Als ich als junger Jaust das Musiktool Rave eJay in einem Saturn meines Vertrauens entdeckte und einfach mal die Rückseite der Box las, in der sich eine CD-ROM befand, wurde mein Interesse daran, Musik nicht nur zu hören, sondern selbst zu produzieren, ziemlich schnell größer.
Okay, okay. Heute wirkt das fast wie digitale Archäologie. Aber genau damit hat es begonnen: Sounds zusammensetzen, ausprobieren und herausfinden, wie Musik überhaupt entsteht.
Aus Spielerei wurde ziemlich schnell mehr. Später kamen Programme von Steinberg oder Propellerhead Reason dazu. Die Möglichkeiten wurden größer und aus dem bloßen Ausprobieren wurde immer mehr echtes Produzieren.
Dennoch war es anfangs nur ein Hobby.
2005 – Der Rückzug
Die ersten Songs waren da. Erst ein Mashup, dann eigene Stücke. Ich hatte immer wieder daran gearbeitet, Sachen verändert, neu produziert, verworfen und wieder hervorgeholt. Veröffentlicht habe ich davon nichts.
War es doch nur ein Hobby?
Mein größter Fehler an der ganzen Sache war wahrscheinlich: Ich habe selbst nicht genug an mich geglaubt.
Vielleicht lag es auch daran, dass mein Umfeld eher klassisch gestrickt war. Musik, Kunst, Kreativität, daraus vielleicht sogar irgendwann etwas Eigenes machen? Spielte kaum eine Rolle.
Der Weg war eher vorgeschrieben: Arbeiten, Alltag, Schlafen, Repeat. Hier und da mal Urlaub. So, wie man es halt kannte. So, wie es vorher auch schon gemacht wurde. Über Generationen.
Und ich selbst? Ich hatte damals von Vertrieb, Rechten, Veröffentlichungen und diesem ganzen Apparat ungefähr … gar keine Ahnung.
Da ich trotzdem nicht aufgeben wollte, suchte ich weiter nach Menschen, die sich mit Vertrieb und Management auskannten. Irgendwann landete ich bei Leuten, die mir erklärten, was man alles machen müsste und vor allem, was ihre Leistung kosten würde.
Die Zahlen lagen auf dem Tisch und für mich als jungen Mann irgendwo zwischen „sportlich“ und „auf gar keinen Fall“.
Also habe ich einen Schlussstrich gezogen. Eine Entscheidung, die ich ganz allein getroffen habe. Nicht, weil mir jemand im privaten Umfeld davon abgeraten hätte oder mir der Rückhalt fehlte. Es war einfach alles zu viel.
Wie sich aber herausstellen sollte:Nicht für immer!
2024 – Das Comeback
Das Ding war nur: Die Sache war nie wirklich weg aus meinem Kopf.
19 Jahre später schlummerte sie immer noch irgendwo tief in mir. Diese Lust, Musik nicht nur zu hören, sondern selbst etwas entstehen zu lassen.
Und dann kam der Plot Twist.
Generative Technologien zur Musikproduktion kamen auf den Markt und wurden langsam, aber sicher ernsthaft nutzbar.
Technologie hat mich ohnehin schon immer interessiert und begeistert. Also musste ich natürlich ausprobieren, was damit möglich ist.
Kann ich wirklich das umsetzen, was ich denke und fühle?
Ich merkte ziemlich schnell:Ja!
Plötzlich öffneten sich Türen, die vorher schlicht nicht da waren. Auch beim Thema Vertrieb hatte sich in all den Jahren einiges verändert. Vieles von dem, wofür man früher gefühlt eine ganze Mannschaft brauchte, ließ sich plötzlich auf ein Minimum reduzieren.
Klingt einfach? Ganz so einfach ist es natürlich nicht.
Aber mir wurde klar: Plötzlich konnte ich Ideen, Melodien und völlig bekloppte Einfälle, die vorher nur in meinem Kopf herumschwirrten, tatsächlich umsetzen.
Ich wurde besser. Die Werkzeuge wurden besser.
Irgendwann kamen ein professionelles MacBook, Logic Pro, ein Roland VT-4, ein ordentliches Studiomikrofon und ein neues MIDI-Keyboard dazu. Das alte hatte schließlich lange genug im Keller über seine Existenz nachgedacht. Naja, und ganz im Ernst: So richtig zeitgemäß war es auch nicht mehr.
Aus den anfänglichen Experimenten wurde tatsächlich wieder Produzieren, Komponieren, Mastern.
Nach einiger Zeit habe ich bereits meine ersten Songs released. Und dann passierte etwas, womit ich mal so gar nicht gerechnet habe.
Da war dieser eine Song:„Mein Kamin“
Es war kurz vor Weihnachten und das Ding ging sowas von viral.
Das war der Zeitpunkt, an dem ich mit euch meine Geschichte neu geschrieben habe.
2026 – Die Prüfung
Mit dem Erfolg kam dann irgendwann auch der Gegenwind.
Rund um generative Technologien entwickelte sich eine regelrechte Rebellion. So ähnlich, wie es früher schon bei Synthesizern, Samples und anderen technischen Veränderungen in der Musik war. Nur diesmal fand das Ganze zusätzlich in Kommentarspalten statt.
Und die wurden mit der Zeit persönlicher. Teilweise auch ziemlich makaber.
Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass gerade viele Independent-Künstler plötzlich eine Lobby verteidigten, zu der sie selbst gar nicht gehörten. Und noch absurder: eine Lobby, die sie selbst nicht einmal schützt.
Dazu kamen Menschen, die gegen den Einsatz generativer Technologien wetterten und zeitgleich auf ihrem AI-Smartphone das nächste lustige Meme generierten.
Während sich die großen Player der Musikindustrie längst mit Plattformen, Lizenzmodellen und generativen Technologien arrangierten, wurde bei unabhängigen Künstlern teilweise eine ganz andere Messlatte angelegt.
Ich hätte mich davon einschüchtern lassen können. Habe ich aber nicht.
Okay, jetzt mal ganz auf Ernst.
Natürlich gab es zwischenzeitlich auf der ganzen Welt gigantische Bot-Farmen. Natürlich gab es und gibt es Menschen, die einen Generator anschalten, hunderte Songs auswerfen und mit Musik eigentlich nichts zu tun haben. Und natürlich gibt es eine Lobby, die an diesem System verdient hat und jetzt auch an der Umstrukturierung wieder verdienen möchte.
Darüber brauchen wir gar nicht zu diskutieren.
Aber ich weiß auch, wo ich in dieser Geschichte stehe.
Ich schreibe. Ich komponiere. Ich erschaffe Ideen. Ich produziere.
Mittlerweile schreibe ich sogar hin und wieder Texte für Künstler, deren Musik von anderen gern als hand- oder menschengemacht bezeichnet wird.
Und egal, welches Etikett andere oben draufkleben: Ich bin unabhängiger Musiker mit Leib und Seele. Und darauf bin ich stolz.
2005 habe ich selbst diesen einen Schlussstrich gezogen.
2026 steht für mich fest:Diesmal nicht!
Auf diesem Wege bedanke ich mich bei allen Menschen, Fans, Hörern und Supportern, die mich auf meinem Weg unterstützen, meine Musik streamen, sie mit der Welt teilen und meine absurden Videos immer wieder zu viralen Erfolgen machen.
Ganz besonders möchte ich mich an dieser Stelle bei meiner Frau bedanken, ohne deren Rückhalt all das nicht möglich wäre, sowie bei meinen beiden Söhnen, die mittlerweile zu meinen größten Fans zählen.
Ich liebe Euch <3

